"Well we came up from the gutter, the wrong side of the tracks" knarzt Ian Fraiser Kilmister auf dem Song "Whorehouse Blues" autobiographisch ins Mikrophon. Recht hat er: "Motörhead" gelten als Inbegriff der dreckigen Rock'n'Roll-Band, und das seit nun bald 32 Jahren.
Kilmister, besser bekannt als Lemmy, erzählt in "White Line Fever" seine Geschichte. Ich hatte mir das Buch in der englischsprachigen Ausgabe zugelegt, die ich - ohne die deutschsprachige zu kennen - sprachlich uneingeschränkt empfehlen kann. British English kommt einfach besser, zumal es sich um Lemmys eigene Worte handelt, deren Bedeutung man im Originalton doch besser versteht als übersetzt. Zudem schreibt Mr. Kilmister alles andere als anspruchsvoll, Leistungskurs-Kenntnisse der britischen Sprache sind wirklich nicht vonnöten, um sich in "White Line Fever" zurechtzufinden.
Los geht's mit den ganz frühen Jahren, also Familie, Kindheit, erste Platten. Lemmy, der am Weihnachtstag 1945 das Licht der Welt erblickte, hat da natürlich einiges mitbekommen. Seine Musikerlaufbahn beginnt bei kleinere Kapellen, die dennoch einiges an Groupies abbekommen, ein Punkt, den Lemmy gerne und oft erwähnt. Nebenbei wird noch einiges an Alkohol vernichtet und - für die Epoche typisch - ausschweifend mit Drogen experimentiert. 1971 schließt sich Lemmy dann der Formation "Hawkwind" an, mit denen er erste größere Erfolge feiert. Nachdem er aufgrund seines Drogenkonsums 1975 gefeurt wird, werden Motörhead ins Leben gerufen. Der Rest ist Legende.
Neben den Frauen- und Drogengeschichten erzählt Lemmy vorrangig vom Werdegang des Rock'n'Roll: Probleme mit Plattenfirmen, Ausverkauf, Ausstiege, andauernde Tourneen.
"Motörhead" stellen innerhalb des ganzen durchaus ein Unikat dar. Ihre Produktionszyklen sind kurz, meist ist ein Album in weniger als zehn Tagen aufgenommen. Auf Tour sind sie dauernd und überall, was zu interessanten Geschichten beispielsweise über den Ostblock jener Tage führt. Nebenbei entsteht noch die New Wave Of British Heavy Metal, Punk hat bereits sein Zenit überschritten und MTV weigert sich beständig, die Band zu spielen. Dazu gesellen sich Geplänkel mit Cops, schlechten Produzenten und miesen Tourmanagern. Lemmy selbst scheint das wurscht zu sein, er und Motörhead machen einfach, was sie am Besten können: spielen. Irgendwie geht es immer weiter und gegen Ende des Buches hat man es auch endlich geschafft, eine ordentliche Plattenfirma zu finden und über längere Zeit hinweg mit den gleichen Leuten zusammenzuarbeiten.
Neben dem Werdegang der Band gibt Lemmy auch häufig persönliche Ansichten zum Besten. Leider fehlen hier manchmal die notwendigen Erklärungen: Dass er ein Faible für NS-Devotionalien hat, sollte mindestens erklärt werden - will man Missverständnissen vorbeugen. Seine Haltung gegen Faschismus wird zwar anderorts klar gemacht und niemand mit etwas Verstand wird "Motörhead" für eine Faschokapelle halten. Dennoch wäre es nett gewesen, hier die Gründe zu kennen. Lemmy dagegen schreibt und handelt meist aus dem Bauch heraus, große Erklärungen gibt's das ganze Buch über nicht, tiefsinnig nachgedacht wird ebenso selten. Stattdessen kommen neue Alben, Tourneen und gut is. Das ist bisweilen ein wenig oberflächlich und wiederholt sich gegen Ende auch merklich.
So kurzweilig und interessant sich "White Line Fever" lesen mag - viel Inhalt ist nicht drin. Motörheader mögen die Entstehung der Band nun auch aus der Sicht ihres legendären Frontmannes vorliegen haben, Leser jedoch, die mit der Band bislang wenig zu tun hatten, finden durch "White Line Fever" nicht unbedingt einen besseren Zugang. Dazu sind die Geschichten, die Lemmy erzählt, zu oft die gleichen und nur zu kurz angerissen. So bleibt ein durchaus komisches Buch, das hier und da für Lacher sorgt, dem man in Punkto Umfang und Inhalt aber noch einige Seiten hätte spendieren können. Schade, denn so bleibt Lemmy vorrangig als ewiger Säufer und Frauenheld mit einem Hang zum Proletentum in Erinnerung.



















