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Coppelius im Hirsch, Nürnberg - 19.01.2012 - Konzertbericht

coppelius-band-2012

 

Wir schreiben Januar im Jahre 2012, die Herren Coppelius lassen Winterreifen auf ihre Kutsche montieren und machen sich auf, zum zweiten Teil ihrer Winterreise, kreuz und quer durch die gesamte Republik. Am 19.01.2012 stoppten die Pferde das Gespann vorm Hirsch in Nürnberg.

 

Für einen Wochentag ist der ehrwürdige Hirsch ansehnlich gefüllt, hier wandelt mal wieder so mancher Erdenbürger in Frack und Zylinder durch die Hallen, oder hat ein schwarzes Rüschenkleid an, aber auch das eine oder andere bunte T-Shirt lässt sich in der Menge ausmachen.
Als Support haben die werten Herrschaften diesmal “Cellolitis“ im Gepäck, das sind Nikolaus und seine instrumentale Partnerin, das Cello Umbra. Der Einzelkämpfer wird vom Publikum mit warmem Applaus empfangen und hüllt die Menge ab dem ersten Ton in feinste Cello-Klänge.
Hier werden geniale Loops verbaut und klassische Stücke auf eigne Art interpretiert, ein wahrhaft guter Start in einen konzertalen Abend.
Aber es wird nicht nur allein gekämpft, denn bei einem Song hilft Le Comte Caspar mit seiner Klarinette aus und so entsteht ein echt amtliches Duett, welches mit lautem Applaus aus dem Publikum honoriert wird.


Nach kurzer Umbaupause und Zeit fürs Einnehmen des einen, oder anderen Getränkes, gehen die Lichter runter und Bastille der Butler betritt wie gewohnt, als erster die Bühne. Eine kurze Begrüßung, lautes Geschrei aus dem Publikum und schon nimmt Bastille einen ungewohnten Platz ein. Er setzt sich ans Schlagwerk und trommelt los. Nun kommen auch die restlichen Herrschaftlichkeiten auf die Bühne und beginnen kraftvoll ihr heutiges Set. Hier bietet sich ein weiteres ungewohntes Bild, denn der eigentliche Drummer Nobusama steht in forderster Front und singt sich mit seinen Kollegen die Seele aus dem Leib.
Nach diesem Einstieg wird in gewohnter instrumentaler Besetzung weitergemacht und man merkt der Band ihre Live-Erfahrung an. Ich verfolge die Truppe ja nun schon seit ein paar Jahren und muss sagen, das sie mit stetig wachsender Bühnenpräsenz und stetig wachsenden Zuschauermengen , trotzdem jedes Mal noch eine Schippe mehr drauf packen und das Auditorium immer wieder fesseln. Die wohl einzigartige Instrumentalisierung der Band hebt sie wohltuend vom Einheitsbrei der üblichen Metal und Rock-Kombos ab. Das Klarinetten, Kontrabass und Cello auch metallisch-laut funktionieren, muss man einfach mal live erlebt haben.
Motivierte Kapelle = motiviertes Publikum, diese Gleichung geht heute Abend auf, in den vorderen Reihen werden wild die Haare geschüttelt und Textsicherheit besteht nicht nur auf, sonder auch vor der Bühne. Bastille zeigt beim Liedchen “Urinstinkt“ gleich mal, dass er multitaskingfähig ist und trägt das Stück vor, während er den einen, oder anderen Schluck Wein vernichtet.
Weiter geht’s mit einer bunten Mischung aus allen bisherigen Alben der Band, im Publikum werden die ersten Pogo-Exemplare ausfindig gemacht. Das scheint Laune zu machen denn die Herren auf der Bühne drehen nun auch mehr und mehr auf.

 

 

Konzertfotos: Coppelius am 19.01.2012 im Hirsch, Nürnberg

 

Die obligatorische Publikumseinteilung zu gesanglichen Hilfzwecken erfolgt stumm, nur mit Handzeichen und auszuführenden Silben, ordnet Caspar das Auditorium in drei Gruppen ein. Was daraus folgt ist ein mehr oder weniger gelungenes Chaos, beim mitgröhlen des Titels “Gumbagubanga“. Wieder ein Auditorium dressiert,... fein so !
Aber das hier nicht nur die lauten und schnellen Töne aus den Boxen schallen, sollte spätestens nach der absolut gelungenen Coverversion von Motörheads “1916“ klar sein. Hier wird mit sehr simpler Instrumentierung, Gänsehaut auf höchstem Niveau erzeugt. Dazu schwenkten die Menschen vor der Bühne noch massig Feuerzeuge, eine wahrlich schmucke optische Untermalung dieses Titels. Wo wir gerade bei genialen Coverversionen sind, hier wird heute ausserdem noch der von den legendären Inchtabokatables bekannte Titel “Rightful King“ intoniert und das dieses Lied auch mit Unterstützung durch ein Cembalo funktioniert, wird heute eindeutig bewiesen.
Aber auch im Bereich der Einnehmbaren Genüsse zeigt sich die Band wandelbar, wo früher eindeutig der Absinth das Nummer Eins-Getränk auf der Bühne war, wird heute auch gerne mal die eine oder andere Blume verspeist, oder mit Wodkaflaschen gekämpft, welche sich vor einer Öffnung sträuben.
Auch um die eine, oder andere Zugabe kommen die Herren natürlich nicht umhin, und als die ersten  “Ausziehen“-Rufe aus dem Publikum erschallen, dreht die Band den Spieß einfach mal um und ruft laut zurück ins Auditorium, dort nehmen sich drei Menschenkinder dem Zuruf an und machen sich obenrum schon mal frei. Natürlich wird diese Tat damit belohnt, das sie diese Herren kurz darauf auf der Bühne wiederfinden und dort das güldene Becken malträtieren dürfen.
Kurz vorm Ende des Abends findet sich noch Nik vom Support auf der Bühne ein und der Kracher “Habgier“ wird mit doppelter Cello-Kraft in den Club geblasen.
Kurzum sei zum Ende dieses kleinen Berichtes angemerkt, ein Besuch eines Aufspiels der Herren “Coppelius“ sei jedem ans Herz gelegt,der nicht glauben kann des es auch extrem rocken kann, wenn sich keinerlei Gitarren auf der Bühne befinden. COPPELIUS HILFT !!

 

Konzertbericht von Timo

 

Konzertfotos: Coppelius am 19.01.2012 im Hirsch, Nürnberg

 

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