Broilers Interview zweiter Teil - Der Grafikdesigner Sammy Amara, über das sensationelle „Santa Muerte“-Design, seine kreative Ideen und die Trends von Morgen.

Mit ihrem Album „Santa Muerte“ sorgten die Broilers nicht nur musikalisch für aufsehen. Auch das Plattencover und Artwork im Bandeigenen Bilderkosmos können sich sehen lassen.
Den ersten Teil kennt ihr bereits - Im zweiten Teil unseres Interviews, sprach Sammy als Grafikdesigner, über die Entwicklung des „Santa Muerte“-Artworks, welche Designer ihn beeinflusst haben und erfahren außerdem, wie man sich auch ohne abgeschlossenes Diplom, vor Aufträgen kaum retten kann.
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„Es ist wichtig, dass du auch mal vom Computer aufstehst und irgendwas kaputt machst.“ – Sammy Amara
Wie wir alle wissen sind Broilers-Produkte voller künstlerischem Herzblut und Liebe zum Detail. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass du Grafikdesigner bist und großen Wert darauf legst, alle Designarbeiten in Eigenregie zu erstellen.
Sammy: Ich bin Grafikdesigner, das ist mein Real-Life-Beruf, aber im Moment ist leider keine Zeit dafür, so wenig, wie selten zuvor. Ich habe übrigens mein Diplom bis heute nicht fertig gemacht. Ich werde im Leben auch niemals ein Diplom brauchen, denn beim Grafikdesign machst du deine Mappe auf und da fragt keiner nach deinem Diplom oder einem Zeugnis. Aber das gilt nicht für alle Berufe... daher immer schön weiter zur Schule gehen!
Erinnerst du dich noch an die Herangehensweise an der Storyline von „Santa Muerte“?
Sammy: Da gab es viele, viele Ansätze, die sehr aufwendig geworden wären. „Santa Muerte“ klingt ja erst einmal gut. Es handelt sich um eine fiktive Stadt, die wir selbst geschaffen haben und soll für jeden ruhig etwas anderes bedeuten. Die Herkunft des Wortes ist aus dem mexikanisch-katholischen Glauben und ist eine Heiligenfigur in Skelettform, die dort verehrt wird. Wir haben beschlossen, das Konzept der Platte relativ schlicht und reduziert halten zu wollen.
Im Ergebnis haben wir nun ein sehr stylisches, aber dennoch reduziertes Artwork. Das spricht auch für die Fotos, die Eric Weiss aus Berlin gemacht hat und die alle in schwarz-weiß gehalten sind. Klar hätten wir auch sommerliche Motive mit Palmen wählen können, wir wollten es jedoch so halten, da „Santa Muerte“ nicht nur ein glücklicher Ort ist, sondern auch etwas Bedrohliches in sich hat. Deswegen haben wir die schwarz-weiß Fotos bewusst als Kontrast gewählt, denn Kontraste sind gut und überall präsent im Leben.
Album Review: Broilers - Santa Muerte bei Pressure Magazine
Von der anfänglichen Idee, bis zum fertigen Artwork, wie viel Zeit nimmt das in Anspruch?
Sammy: Das hat bei mir bereits alles schon letztes Jahr begonnen und hat Monate an Zeit geschluckt. Hinterher fragt man sich immer, was daran eigentlich so lange gedauert hat, aber gerade wenn du etwas für dich selber machst, dann bist du noch pingeliger mit jedem kleinen Detail. Für sich selber arbeiten ist nicht besonders dankbar.
Es ist bekannt, dass du eine Menge T-Shirt-Designs, Webseiten und Covers für andere Bands machst, bleibt dafür im Moment überhaupt noch Zeit?
Sammy: Im Moment bleibt mir keine Zeit mehr, da die Broilers sehr viel Zeit einnehmen. Ich habe am Ende auch nur noch an Projekten der Broilers und der Toten Hosen gearbeitet. Da die Hosen im Moment an ihrer neuen Platte schreiben, kommen wir ganz gut klar. Aber wenn die Broilers wieder etwas ruhiger werden, dann sind die Designarbeiten für die Toten Hosen wieder dran.
Was war bislang wichtigste Arbeiten neben den Broilers Projekten?
Sammy: Im Sinne der namentlich relevanten Projekte, sind es natürlich die Toten Hosen. Hier schließt sich für mich auch der Kreis, denn ich bin ja immer ein Fan gewesen. Daher ist es mir persönlich wichtig und immer wieder eine besondere Freude.
Woher nimmst du kreativen Ideen und was inspiriert dich?
Sammy: Inzwischen habe ich mir ein kleines Notizbüchlein angeschafft, in dem ich immer mal etwas hineinmale, was mir hilft, mich daran zu erinnern. Zum Beispiel, wenn ich mal wieder ein Asi-T-Shirt sehe und mir denke, das könnte in cool, sogar richtig gut aussehen. Man findet ja immer wieder neue Dinge, wenn man mit offenen Augen durchs Netz surft und es gibt Design-Blogs, durch die man sich inspirieren kann.
„Mit Würfel und Flammen kannst du heute nicht mehr um die Ecke kommen. Das ist selbst bei H&M nicht mehr „in“.“ – Sammy Amara
Was denkst du über Merchandise auf Konzerten. Wird hier noch viel Wert auf Design und Qualität gelegt, oder steht da eher das schnelle Geld im Vordergrund?
Sammy: Es ist wesentlich besser geworden, muss ich sagen. Wenn ich mir heute einen Rock-Katalog ansehe, dann ist die Qualität des Grafikdesigns im Bereich des Punk, Rock oder im Musikbereich generell deutlich gestiegen. Das war vor zehn Jahren eine ganz andere Nummer. Ich habe allerdings auch das Gefühl, dass es vor 20-30 Jahren, wenn man in alte Bücher schaut, besser war. Es ist aber auch nicht gut, das zu kopieren, was man in den Rock-Katalogen sieht, denn du musst den Leuten nun schon etwas Neues anbieten.
Mit Würfel und Flammen kannst du heute nicht mehr um die Ecke kommen. Das ist selbst bei H&M nicht mehr „in“. Aber gestorben wird immer.
Du arbeitest mit unterschiedliche Techniken und zeitgemäßen Trends, wie 3D-Grafiken oder Druckrastern. Gibt es eine Technik, die du mit Vorliebe benutzt?
Sammy: Wenn du ewig guckst, was in deiner Szene geschieht, dann wirst du keinen Schritt weiter kommen. Du musst immer schauen, was die größeren Bands oder die Leute machen, die nur im Design-Bereich arbeiten. Wenn man als Grafiker arbeitet, so wie ich, dann musst du dich an anderen Grafikdesignern orientieren. Das bedeutet auch, dass man mit den Bands diskutieren und sie von einer neuen Idee überzeugen muss.
Was die Technik angeht, ist es wichtig, dass du auch mal vom Computer aufstehst und irgendwas kaputt machst. Ich habe sehr intensiv und lange Zeit meine Kleckse benutzt, was wiederum bedeutet, dass du auch mal analog arbeitest und Sauereien machst.
Professoren mit den silbernen Haaren erzählen immer davon, wie sie früher ihre Schrift mit Bleilettern selbst gesetzt haben. Es ist wichtig, auch mal ein Design komplett analog zu machen, mit der kleinen Stempelschule oder mit den Bleilettern. Klar, fragen mich die Leute, warum ich mir die Arbeit mache, obwohl es das doch alles schon digitalisiert gibt, aber gerade das macht es so individuell. Außerdem hast du eine schöne Geschichte zu erzählen.

Was bedeutet Design für dich?
Sammy: Design ist mir total wichtig. Es war bei mir auch immer so, dass ich als Konsument die Produktionen genossen habe, die gut aussahen und wo ich was entdecken konnte und in der Hand hatte. Ich mag zum Beispiel von Blood for Blood die „Outlaw Anthems“, aber von der Aufmachung der Platte bin ich total enttäuscht. Da denke ich mir, wenn die jetzt noch gut aufgemacht wäre, das wäre ein Träumchen.
Dann würde es sich doch anbieten, dass du dort mal vorstellig wirst...
Sammy (lacht): Ich glaube die sind gar nicht mehr so richtig da und der eine Typ lebt zwar noch, aber nicht mehr so richtig... White Trash rocks!
Das liegt aber auch daran, dass ich gerade wieder in meiner Blood for Blood Phase bin oder auch Lars Frederiksen and the Bastards höre. Es kann aber auch sein, dass ich wieder ganz derb abrutsche in eine Folk/Gitarren-Phase und wieder Bob Dylan höre.
Dabei fällt mir ein, dass mir noch die neue Platte von den Dropkick Murphys fehlt.
Was sind denn deine Vorbilder im Bereich Grafikdesign – Stichwort: Dirk Rudolph?
Sammy (grübelnd): Jaaa, Jaaaaaaaa....Nein. Dirk Rudolph ist ein großartiger Designer, der seinen eigenen Style besitzt, aber niemand, der mich total nervös macht. Es gibt aber keinen Grafikdesigner, von dem ich sage, dass alles was er macht, bedingungslos geil ist. Was man natürlich sagen muss, dass Joshua Smith von Hydro47 gerade am Anfang wichtig für mich war.
Früher gab es jedoch mehr Designer, wo deren Designs gefallen haben. Aber dass sich in der letzten Zeit eher verselbständigt, da ich gar keine Zeit habe, herum zu suchen, bevor ich ein neues Projekt beginne. Ich habe auch viele Design-Bücher, aber mit denen komme ich nicht mehr weit. Wenn ich erst anfange zu blättern und mir überlege, wie es aussehen könnte, dann setze ich mich doch eher schnell selber dran und mache es.
Was sind deine Lieblings-Plattencover, die dir spontan einfallen?
Sammy: Man neigt jetzt dazu Cover zu nennen, die selbst zu Ikonen geworden sind zum Beispiel The Clash mit ihrer Elvis Presley-Kopie oder dem „London Calling“-Cover. Das ist aber an sich kein gutes Cover...

Stichwort: Warm-up-Shows, Konzerte und Festival-Sommer – was erwartet die Besucher einer Broilers-Show?
Sammy: Wir werden testen, wie die Songs live funktionieren und werden im Sommer extrem viel Freude daran haben, endlich wieder auf der Bühne zu stehen und nach der Show wieder mehr zu trinken. Das kannst du auf Tour nicht so gut, aber auf Sommer-Shows hast du ja nur 1-2 Shows am Stück und dann wieder Pause.
Kurzum: Wir freuen und total drauf und das wird sicherlich die Belohnung für die ganze Studiozeit sein.
Wir kommen zum Ende. Was hast du den Lesern des Pressure Magazines und der Welt da draußen zu sagen.
Sammy: Bildet Banden! Im Ernst: Gründet Bands und macht Musik.
Das heißt nicht, mal eben mit Garage Band drei C-Harmonien zusammen zu schieben. „Bandgründen“ heißt auch im Proberaum abhängen und saufen, besoffen in die Bassdrum fallen, auf Billardtischen schlafen und ungemütlich im Bus durch die Gegend heizen. Ganz tolle Erfahrungen, die wir gemacht haben, die ich echt nicht missen will.
Wichtig ist, wenn euch etwas nicht passt, dann ändert das. Macht ein Fanzine, macht Kunst, baut ne Bude... bekommt euren Arsch hoch.
Bands gründen? Haben wir das Phänomen nicht schon seit Facebook, dass ein jeder das Maul aufmacht, auch wenn er nichts zu sagen hat.
Ich meine damit, dass du wirklich etwas Produktives leistest und das kann ganz „oldshool“ bedeuten, dass du mal wieder ein Fanzine kopierst, denn diese Hürde, die nimmt nämlich nicht jeder. Bei Facebook irgend einen Scheiß zu posten oder noch einfacher nur auf den „Gefällt mir“-Button zu klicken, dass kann ja jeder. Vielleicht muss es genau darum, jetzt mal wieder „Back to the Roots“ gehen!
Pressure Magazine wünscht dir und den Broilers alles Gute für die Zukunft, viel Erfolg mit „Santa Muerte“ und viel Spaß auf den Konzerten. Nachfolgend findet ihr alle Live-Termine der Band:
31.05.2011: Berlin - Magnet (Warm-Up-Show, AUSVERKAUFT!)
11.06.2011: Interlaken (CH) Greenfield Festival
12.06.2011: Nickelsdorf (A) Nova Rock Festival´
15.06.2011: Köln - E-Werk
16.06.2011: Hamburg – Docks
17.06.2011: Lichtenfels Rock In Concert
22.07.2011: Cuxhaven Deichbrand Open-Air
23.07.2011: Bad Doberan Searock Festival
13.08.2011: Püttlingen Rocco-Del-Schlacko
15.10.2011: Neu-Isenburg – Hugenottenhalle
18.10.2011: Karlsruhe – Substage
19.10.2011: Nürnberg – Löwensaal
22.10.2011: Leipzig - Haus Auensee
27.10.2011: Münster - Skaters Palace
28.10.2011: Hannover – Capitol
29.10.2011: Berlin - Huxleys Neue Welt
30.10.2011: Magdeburg – Factory
31.10.2011: München – Tonhalle
Interview von Marcus Berg im Mai 2011
Gewinnspiel: Bei unserem Broilers Gewinnspiel habt ihr die Möglichkeit tolle Preise zu gewinnen - Hier geht's lang!
Pressure Magazine empfiehlt:
BROILERS - „Welcome to Santa Muerte“-Tour 2011
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16.06.2011 Hamburg, Docks
15.10.2011 Neu-Isenburg, Hugenottenhalle
18.10.2011 Karlsruhe, Substage
19.10.2011 Nürnberg, Löwensaal
22.10.2011 Leipzig, Haus Auensee
27.10.2011 Münster, Skaters Palace
28.10.2011 Hannover, Capitol
29.10.2011 Berlin, Huxleys
30.10.2011 Magdeburg, Factory
31.10.2011 München, Tonhalle
BROILERS - „Welcome to Santa Muerte“ 2011 Festival-Termine
17.06.2011 Lichtenfels, Rock in Concert / Open Air
22.07.2011 Cuxhaven, Deichbrand / Open Air
23.07.2011 Bad Doberan, Searock Festival
13.08.2011 Püttlingen, Rocco Del Schlacko
Mehr zu Broilers:
Künstler Portrait: Broilers bei Pressure Magazine
Album Review: Broilers - Santa Muerte bei Pressure Magazine
Offizielle Webseite: www.broilers.de











