Im Januar erscheint das zweite Album der Band PLATZVERWEIS, welches den Titel "Dein letzter Tag" trägt. Passend dazu hat Pressure-Redakteur Florian dem Sänger Pittner einige Fragen gestellt.
Grüß dich Pittner, stell' deine Band doch bitte den Lesern vor, die bisher noch nichts von "Platzverweis" gehört haben.
Pittner: Moin. Wir sind Platzverweis aus Liebenburg, zumindest wohnt dort noch der größte Teil der Band. Die Band existiert seit 2003 und die Mitglieder wären da:
Darius an der Gitarre – er sieht zwar aus wie der smarte Ladykiller, aber aus seiner Feder stammen die harten Gitarrensounds, die unseren Stil prägen.
Blaze, der zweite Mann an der Gitarre – der Bad Boy in der Band, der mit seinen Schandtaten immer wieder unser gefährliches Image aufpoliert.
Moritz am Bass – Sein Pessimismus und seine Auffassung "Niemals zufrieden zu sein" treibt unseren Perfektionismus voran.
Stefan am Schlagzeug – er ist der Kopf, der hauptsächlich im Hintergrund die Fäden zieht. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im organisatorischen Bereich. Er pflegt die Kontakte und kümmert sich auch sonst um alles, was gerade anfällt.
Und zum Schluss wäre da meine Wenigkeit (Pittner), der dem ganzen seine Stimme verleiht, Stefan im organisatorischen Bereich unterstützt und für sämtliche schriftliche Dinge zuständig ist, wie Texte, News oder auch dieses Interview.
Gemeinsam haben wir uns dem härteren Punkrock verschrieben, wenn man das noch so nennen darf und stehen in den Startlöchern für das Jahr 2011, in dem wir entscheidend mehr auf die Kacke hauen wollen, als wir es in den vergangenen Jahren getan haben.
Wie habt ihr euch gefunden und entschieden, gemeinsam Musik zu machen?
Pittner: Wie schon erwähnt, haben wir uns im Jahr 2003 gegründet. Stefan, Blaze und ich waren damals in der Blüte unseres Punker-Daseins und da gehörte es natürlich auch zu in musikalischer Form Krach zu machen. Blaze konnte ein bisschen Gitarre spielen, Stefan spielte schon Schlagzeug bei Alarmstufe Schwarz-Rot (heute Alarmstufe Riot) und ich konnte gar nichts und Leute, die zu nichts nütze sind, bekommen ein Mikrofon in die Hand gedrückt. Zumindest war das so, wenn man schrammeligen Asi-Punk spielte, wie wir es damals getan haben. Ein halbes Jahr später stieß Darius dazu, welcher von vorne bis hinten onkelzinfiziert war. Das hieß für uns weg von dem 3 Akkorde Punkrock und her mit den Soli, Melodien und was man sonst so alles mit na Gitarre anstellen kann. Dann fehlt nur noch der Bass. Die Position war zwar von Anfang an besetzt, aber die Besetzung wurde zweimal gewechselt. Seit ein paar Jahren zupft jetzt Moritz die dicken Saiten und hoffentlich bleibt das auch so. Besetzungswechsel sind schließlich lästig und kosten nur unnötig Zeit. Ich denke so wie wir jetzt dastehen, sind wir eine schlagkräftige Besetzung!
Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Pittner: Unser Ursprung liegt im klassischen 3 Akkorde-Deutschpunk. Doch auch wir haben uns im Laufe der Zeit weiterentwickelt, sowohl musikalisch als auch textlich. Inzwischen sind wir wohl dort angekommen, was heutzutage als "Streetcore" bezeichnet wird, d.h. hauptsächlich harte Sounds "von der Straße, für die Straße". Doch wir sind auch vielfältiger geworden. Neben gesellschaftskritischen Hau-Drauf-Songs, haben wir inzwischen auch emotionale, melodische und ruhige Songs im Repetoire. Allerdings wollen wir auch unserem Stil irgendwo treu bleiben, also besteht kein Grund zur Panik, dass unser nächstes Album zur Hälfte aus Balladen und Schnulzen besteht.
Im Januar erscheint euer zweites Album "Dein letzter Tag". Was hat der Hörer zu erwarten?
Pittner: Wie eben schon angedeutet, hat er vor allem ein vielseitiges Album zu erwarten. Wir haben thematisch und musikalisch viel neues ausprobiert und ich war überrascht, dass uns das so gut gelungen ist. Ich bereue keinen einzigen Song bzw. irgendeine Sequenz. Wir haben ca. 9 Monate alles gegeben und ich denke es hat sich gelohnt. Auch beim Mastern sind wir dieses Mal auf Nummer sicher gegangen und haben die Scheibe von Harris Johns mastern lassen, welcher schon an Alben von Sodom, Slime, Daily Terror, Toxpack und vielen anderen gearbeitet hat. Für mich persönlich ist er eine Art Gütesiegel, da ich nicht denke, dass er seinen Namen unter irgendwelche minderwertigen Produktionen setzen würde.

Welche Unterschiede gibt es im Gegensatz zum ersten Album "Mit dieser Band"?
Pittner: Der Unterschied ist schon enorm. Das lässt sich aber alles mit ein bisschen Hintergrundwissen nachvollziehen:
Das Album "Mit dieser Band" wurde schon im Jahr 2005 aufgenommen. Das heißt, dass zwischen beiden Alben 5 Jahre liegen. Die meisten Lieder stammen aus dem Jahr 2004. Da ist es natürlich rein textlich ein Unterschied zwischen Liedern, die ich mit 15 – 16 Jahren geschrieben habe und welchen, die ich heute mit 22 Jahren schreibe. Die Texte sind inzwischen viel tiefgründiger. Manchmal sitze ich Stunden vor einem Text, nur weil ich mich zwischen zwei Wörtern nicht entscheiden kann. Es gibt auch Texte, die finde ich beim Schreiben extrem gut und am nächsten Tag halte ich sie für absoluten Schrott.
So war es auch dieses Jahr im Studio der Fall, dass ich mich erst beim Aufnehmen auf bestimmte Formulierungen festgelegt habe. Vor 5 Jahren habe ich nur Texte geschrieben, damit wir welche haben. Ich hab noch nicht erkannt, wieviel Herzblut man in solche Sachen fließen lassen kann. Sie haben mir in dem Sinn nicht so viel bedeutet. Sie wirken zwar teilweise noch ein bisschen pubertär, aber ich hab auch schon von vielen Kritikern gehört, dass das dem Album einen gewissen Charme verleiht (gerade der Song über unseren Lieblingsoberkommissar Dietrichs). Dieser Meinung schließe ich mich an. Zwischen der Aufnahme und dem Release lagen mindestens 1,5 Jahre. Keiner wollte die Scheibe rausbringen und auch uns wurde davon abgeraten. Doch sie ist ein Teil von uns. Sie beinhaltet Jahre unseres Schaffens und die wollen wir auch nicht verleugnen. Rebellion Records Germany hat uns dann letztendlich 2006 den Wunsch erfüllt und das Album publik gemacht.
Auch in der Studioarbeit waren wir bis auf die Demoaufnahme 2004 in Braunschweig unerfahren. Hier wurde uns die Leitspur des E-Schlagzeugs zum Verhängnis. Das E-Schlagzeug hörte sich an einigen Stellen an wie ein Maschinengewehr. Es heuchelte uns eine viel zu schnelle Geschwindigkeit vor. Später wurde das richtige Schlagzeug eingespielt und so kam es, dass die Lieder doch etwas langsamer geworden sind, als wir es bevorzugen würden. Diese Gefahr ist uns inzwischen immer bewusst, daher schenken wir der Geschwindigkeit der Songs besondere Aufmerksamkeit. Bei Songs von der Split "The kids strike back!" und "Dein letzter Tag" ist uns das auch ganz gut gelungen. Bei dem Stichwort "Split" ist auch anzumerken, dass wir auch bei diesen Aufnahmen reichlich Erfahrungen gesammelt haben. Unseren Mann im Studio haben wir seit unserem Debutalbum nicht mehr gewechselt. Ich denke wir sind inzwischen ein eingespieltes Team und auch er hat seit dem ersten Album vieles dazugelernt. Natürlich haben sich die anderen Bandmitglieder genauso weiterentwickelt. Darius hat inzwischen ein gutes Gespür für melodische Songs und ist stets produktiv. Zudem haben wir mit Moritz einen guten Bassisten dazugewonnen.
Ihr habt bei dem Titel "Wir gehören zusammen" Unterstützung von Sebi, Sänger von Stomper 98, erhalten. Wie kam es zu dieser Kolaboration?
Pittner: Hier erwartet man jetzt eine herausragende Story, ist es aber eigentlich nicht. Wir stehen einfach auf Gastparts. Hierbei haben wir uns vielleicht ein bisschen von den Toxpack-Alben inspirieren lassen. Der Song "Cultus Interruptus" ist zum Beispiel eine absolute Granate, die allein nicht so überzeugend umzusetzen gewesen wäre.
Wir haben uns also überlegt, welche Band bei uns für so etwas in Frage kommen könnte. Da Sebi eine Stimme mit Wiedererkennungswert besitzt und zudem auch noch aus Niedersachsen stammt, kam er uns ziemlich schnell in den Sinn. Wir haben bei ihm angefragt und bekamen überraschenderweise recht zügig eine Zusage. Wirklich gekannt hat man sich nicht. Man ist sich flüchtig bei diversen Konzerten über den Weg gelaufen und Sebi meinte auch, dass ihm "Platzverweis" vom Namen her ein Begriff war, mehr aber nicht. Er kam uns schließlich im Studio besuchen und dann verlief eigentlich alles sehr harmonisch. Ich hatte auch vorher hier und da aufgeschnappt, dass er ziemlich arrogant sein soll, aber das kann ich keineswegs bestätigen. Wir schnackten über alles, was mit der Szene und dem Musik machen zu tun hat, er lud uns zum nächsten Stomper 98 Konzert in Magdeburg ein und gab mir alles andere als das Gefühl, dass Stomper 98 eine höhere Liga spielt als wir. Er nahm unsere Mucke ernst und steuerte auch selbst Ideen zu der Umsetzung des Songs bei.
Video: Platzverweis - Wir gehören zusammen (feat. Sebi/ Stomper98)
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Das Lied handelt von einem großen Thema, der Freundschaft. Wie wichtig ist sie euch?
Pittner: Hier muss man gestehen, dass das Thema "Freundschaft" alles andere als ein neues Thema für einen Punkrocksong ist. Doch ich finde, dass es nicht darum geht irgendwelche abstrakten, nie dagewesenen, neuen Themen zu erfinden, sondern um eine individuelle Umsetzung. Das Thema "Freundschaft" wird zudem noch in dem Song "Mach´s gut, mein Freund" behandelt. Auf den ersten Blick wirkt das ganze dann etwas widersprüchlich, da es in dem Song "Wir gehören zusammen" darum geht immer zueinander zu stehen und in dem Song "Mach´s gut, mein Freund" geht es darum, seinen (ehemaligen) besten Freund, zumindest für eine gewisse Zeit, fallen zu lassen. Sie widersprechen sich jedoch nicht. Es gibt einfach nicht den perfekten Weg, wie man Freundschaften aufrecht erhalten kann.
Ich denke, dass man seinen Freunden vieles durchgehen lassen sollte, aber auch nicht alles. Wenn es nicht gut um eine Freundschaft steht, muss das jeder für sich selbst entscheiden, ob man sagt "Scheiss drauf! Komm her, Junge, wir gehen jetzt feiern!" oder ob man sich erstmal, zumindest eine Zeit lang, aus dem Weg geht, um sich Gedanken zu machen, ob es die Freundschaft überhaupt wert ist, dass man seine ganze Kraft dafür aufbringt.
Bei einer "wahren" Freundschaft sollte immer ersteres der Fall sein. Wenn deiner gegenüber eure Freundschaft jedoch auf Dauer mit den Füßen tritt, darf man sich nicht daran klammern, sonst macht man sich selbst kaputt. Wie man sieht hat mich dieses Thema sehr beschäftigt, deshalb lässt sich die Frage erwartungsgemäß einfach beantworten: Sie ist verdammt wichtig!
Der Song "Sound meiner Strasse" handelt von der Liebe zur Musik. Seit wann fühlt ihr euch in der Punkrockszene zuhause?
Pittner: Ich hab eigentlich schon sehr früh gern Punkrock gehört. Mein Cousin hatte mir "Schlachtrufe BRD II" auf Kassette überspielt (auch ein Zeichen dafür, dass wir langsam aber sicher alt werden) als ich ca. 10 Jahre alt war. Ich fand die Mucke zwar cool, aber mein Leben hat sie erst im Alter von 14 – 15 Jahren geprägt, als dann auch Iro, Doc Martens und Trinkgelage dazu kamen. Ich denke bei dem größten Teil der Band hat sich das auch so ähnlich abgespielt. Platzverweis ist natürlich der Hauptfaktor, dass wir auch heute noch so engagiert in der Szene sind. Wir stehen inzwischen mit vielen unserer Helden von damals auf der Bühne und es ist wohl auch von uns allen der Traum diese "Helden" einmal für die nächste Punkrockgeneration zu sein.
Pressure Tipp: CD-Review "Platzverweis - Dein letzter Tag"
Euer Lied "Harte Zeiten" handelt vom zweiten Weltkrieg und davon, dass sich der Tod sehr viele Menschen geholt hat. Wie kam es zu solch einem ernsten Titel auf eurem Album und welchen Bezug habt ihr zum Krieg?
Pittner: Eigentlich war das nicht die beabsichtigte Hauptaussage, die wir mit diesem Song ausdrücken wollten. Die Aussage sollte eigentlich eher in Richtung Religion abzielen. Ich und mit Sicherheit auch viele andere Persönlichkeiten in der Punkszene halten nicht viel vom religiösen Glauben. Die Hauptfrage bleibt doch immer "Wo war denn euer Gott als so viele Menschen ihr Leben ließen? Wenn er so gütig und gnädig ist, wieso lässt er zu, dass solche Dinge passieren?" Der Zweite Weltkrieg ist dabei nur ein Beispiel, da ich denke, dass die Thematik den Zuhörern am bekanntesten sein sollte. Dafür könnte ich genauso gut auch andere Kriege und Katastrophen als Beispiel nehmen.
Die Aussage ist also in der ganzen Weltkrieg-Thematik verschachtelt. Die ersten zwei Zeilen der Strophen geben Hinweise über die Zeit, in der die Szene spielt. Die anderen beiden Zeilen der Strophe beschreiben hauptsächlich ein Einzelschicksal einer Mutter, die ihre Kinder bei einem Bombenangriff aus der Luft verloren hat. Der Refrain stellt dann das ganze Geschehen und das Handeln von unserem allmächtigen Gott in Frage.
Ich persönlich interessiere mich sehr für Geschichte, vor allem für Deutsche Geschichte. Das Interesse geht schließlich so weit, dass ich inzwischen Geschichte studiere. Doch mir war es auch wichtig nicht einfach einen plumpen Song darüber zu schreiben, wie böse und gemein doch der Krieg ist. So muss ich wohl auf den Trichter gekommen sein die Thematik des Krieges und die Thematik der Religion miteinander zu verbinden.
Wer sind eure musikalischen Vorbilder?
Pittner: Wirkliche Vorbilder haben wir eigentlich nicht. Nach all den Jahren denken wir, dass wir mit diesem Album schon einen ziemlich individuellen Stil gefunden haben. Allerdings lassen wir uns mit Sicherheit von den Bands beeinflussen, auf die wir zum gegebenen Zeitpunkt stehen. Deshalb wird uns wohl nachgesagt, dass die ein oder andere Sequenz bei unseren Liedern von auch von Troopers oder Toxpack hätte stammen können.
Vielen Dank für das Interview. Die letzen Worte gehören natürlich euch!
Pittner: Wir haben zu danken! Wir sind heiß auf das kommende Jahr! Am 21. Januar kommt unsere Scheibe auf Sunny Bastards raus und dann heißt es haufenweise Konzerte zu spielen. Unser Appell an die Leser-/Hörerschaft ist natürlich: "Zieht euch unser neues Album rein!" - konstruktive Kritik ist immer erwünscht! - Einen Vorgeschmack findet ihr bei Youtube oder auf unserer Myspace Seite www.myspace.com/platzverweis, wo es ab sofort den Song "Wir gehören zusammen" mit Gastpart von Sebi von Stomper 98 zu hören gibt. Falls ihr Auftrittsmöglichkeiten für uns habt, immer her damit! Haut in die Tasten und schreibt uns!
Mehr über Platzverweis:
Offizielle Homepage: www.platzverweis-punkrock.com
MySpace Seite: www.myspace.com/platzverweis














