Am 15.06. erscheint mit "Wo geht die Reise hin" das neue Album der Berliner Streetrock-Band Drop Out Chaos. Pressure Magazine hat Dennis getroffen und ihm einige Fragen gestellt.

Hey Atze, am 15.06.2012 erscheint euer neues Album "Wo geht die Reise" hin. Wie liefen die Arbeiten im Studio?
Dennis: Hallo, wir haben für die Aufnahmen zum neuen Album wieder das Kugelphone Studio in Berlin gebucht, wo wir auch schon die Vorgänger-Platte "Kalt und Dreckig" eingehämmert haben. Somit kannten wir die Gegebenheiten und konnten so in entspannter und gewohnter Atmosphäre die Songs einspielen. René von der Band Anticops hat erneut die Produktion übernommen. Für uns war das enorm von Vorteil, weil er genau wusste, welchen Sound wir wollen und in welche Richtung die Scheibe gehen soll. Das hat uns die ganze Arbeit rund um das Album erleichtert, weil wir viel effektiver und ohne viele ausschweifende Erklärungen die Songs fertigstellen konnten.
Im Allgemeinen sind wir dieses mal vollkommen anders an die Aufnahmen herangegangen. Die Vorgängerplatte haben wir in 14 Tagen an einem Stück eingespielt. Im Gegensatz dazu haben wir darauf bei den aktuellen Aufnahmen bewusst verzichtet und das Studio nur an den Wochenenden in einem Zeitraum von gut einem halben Jahr geblockt. Wir konnten dadurch unter der Woche genügend Abstand zu der Musik gewinnen, um dann am Wochenende wieder mit frischen Ohren an die Sache heran zu gehen. Infolgedessen haben sich immer wieder neue Ideen im Studio entwickelt, die oft Einfluss in die Songs gefunden haben. Beim Abmischen waren wir dann echt überrascht, wie sich einige Songs im Laufe der Aufnahmen verändert haben und im Endeffekt vollkommen anders klingen als zu Beginn geplant.
Was ist, eurer Meinung nach, der größte Unterschied zum Vorgänger "Kalt und Dreckig"?
Dennis: Zum einen haben wir bei diesen Aufnahmen viel mehr am Sound gebastelt. Wir wollten unbedingt verhindern, dass das neue Album wie die Vorgängerscheibe klingt. Die "Kalt und Dreckig" war vor allem härter und metallischer. Das neue Album "Wo geht die Reise hin" ist eher rockig. Die Gitarren haben weniger Verzerrung und sind insbesondere auf "high gain" getrimmt. Dadurch haben die Songs einen ehrlichen rockigen Touch bekommen. Unserer Meinung nach haben wir im Ergebnis auch mehr Wert auf Melodien gelegt.
Zum anderen sind die Texte nicht mehr so prollig wie früher. Im Gesamten haben sich die Inhalte der Songs schon verschoben und sind breiter gefächert. Trotzdem ist die Platte nicht weichgespült.
Was erwartet den Hörer, wenn er sich die neue CD zulegt?
Dennis: Soweit er die Vorgängeralben hat, wird er sich vielleicht über den Sound und die Themenverlagerung der Texte wundern. Man hört deutlich heraus, dass jetzt Toby und Peter von Zeitfern mitspielen, die der Musik ihren Stempel aufdrücken. Es sind weniger Texte unter die Gürtellinie. Mit der Zeit wird man doch gesetzter und denkt über manche Sachen anders als noch vor ein paar Jahren. Wir distanzieren uns zwar nicht von den früheren Texten, aber alles kommt zu seiner Zeit. Damals hatten wir unsere Sturm und Drang Zeit, wo wir einfach viel aggressiver waren als heute. Was wir zu sagen hatten, haben wir gesagt und dazu stehen wir noch heute. Wenn wir jetzt manche Songs von der "Lebenslänglich" oder "Kalt und Dreckig" hören, müssen wir teilweise schon echt schmunzeln und lachen, aber dafür kamen sie damals von Herzen.
Wir wollen uns mit dieser Platte auch bei allen Supportern bedanken, die sich die Platte noch im Laden kaufen und nicht nur illegal im Netz ziehen. Wir haben mit einem Extramenü ordentlich Bonusmaterial auf die CD gepackt, wo man sich Fotos und einen Livemitschnitt vom OFT Festival 2010 anschauen kann. Dazu gibts wieder ein schönes dickes Booklet, welches die Jungs von Stoneface Design mit viel Liebe zum Detail erstellt haben.
Video: "Drop Out Chaos - Wo geht die Reise hin (Hörprobe)"
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Gebt einen kleinen Einblick in die einzelnen Songs.
Dennis: "Ende der Welt": Dieser Song ist für den Sänger besonders wichtig. Er handelt über das Ende einer langjährigen Beziehung, woran er ordentlich zu knabbern hatte. Ich denke, jeder der das mal durchgemacht hat, weiß, wie man sich in solchen Situationen fühlt.
"Tiefenrausch": "Tiefenrausch" ist wohl eher ein Song, der sich vom Grundsound der Band am meisten abgrenzt. Er handelt von den Leuten, die die Welt nur im Rauschzustand schön sehen können. Der eine braucht eine Kiste Bier um glücklich zu sein, der andere muss sich ständig die Nase zuballern und wieder ein anderer ist richtig in Ekstase, wenn er jemanden mit der Axt den Schädel einschlagen kann.
"Alles wird vorübergehen": In dem Song dreht es sich um einen Mann, der nicht darüber hinweg kommt, dass sein Kind gestorben ist. Der Text erzählt also über einen Trauernden. Ich denke mal, was andere aus den Text ziehen können, ist, dass alles irgendwann ein Ende haben wird. So wie das Leben des Jungen plötzlich ausgehaucht wurde, wird auch die Trauer über den Verlust mit der Zeit vergehen. Zwar wird man nie vergessen können, aber der Herzschmerz wird nachlassen, sodass auch auch wieder schöne Erinnerungen an die gemeinsam gelebte Zeit in den Vordergrund durchdringen.
Was inspiriert euch bei euren Texten?
Dennis: Bei uns sind es zum großen Teil die Ereignisse, die man im Alltag so erlebt, die uns inspirieren. Wir versuchen oft mit den Texten die persönlichen Schicksalsschläge zu verarbeiten, die man im Leben durchmachen muss. Wenn man versucht die Gedanken geordnet auf das Papier zu bringen, kann man alles nochmal reflektieren, was wieder hilft, die Sachen zu verarbeiten. Bei dem einen kommen immer dann die Ideen, wenn er ein paar ruhige Minuten findet und der andere muss beim Sport ordentlich Gas geben, damit der Kopf mal wieder richtig durchblutet wird.
Video: "Drop Out Chaos - Alles wird vorübergehen"
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Viele Songs handeln vom Leben und deren negativen Seiten. Wie würdet ihr das Leben mit ein paar Worten erklären?
Dennis: An manchen Tagen passt "Kalt und Dreckig" ganz gut. Im Allgemeinen würde ich sagen, das Leben ist oftmals zuckersüß und dann plötzlich wieder bitter und hart.
Die Festival-Saison startet wieder, auf welches freut ihr euch besonders?
Dennis: Wir spielen zwar dieses Jahr auf mehreren Festivals, aber das wir sagen können, auf ein konkretes Festival freuen wir uns ganz besonders, ist jetzt nicht der Fall. Da hat bei uns, zumindest in diesem Jahr, jedes Festival den gleichen Stellenwert. Ich denke mal, jedes Open Air hat seine eigene Atmosphäre und Besonderheiten, auf die man sich freuen kann. Anders als in den Jahren zuvor, spielen wir 2012 überwiegend bei Bikerpartys und Openairs wie bspw. dem Meutemania Festival in Plau am See. Die Bikerclubs sind immer gastfreundlich und am Ende sind immer Titten zu sehen. Das ist für uns mal eine Abwechslung zu den üblichen Szenekonzerten/Festivals, wo wir sonst immer spielen. Mal schauen, was uns da im Sommer noch so alles erwartet.
Privat besuchen wir eher selten Festivals. Da gehen wir doch lieber zu Konzerten, wo man am nächsten Morgen den Kater im eigenen Bett bekämpfen kann. Für dieses Jahr steht evtl. noch das With Full Force auf dem Plan, wo wir ordentlich die Sau raus lassen werden.

Ihr habt am 18.Mai auf dem Spreewald Rock Festival gespielt. Wie lief es und mit welchen befreundeten Bands habt ihr gefeiert?
Dennis: Am meisten lief das Bier. Nein im Ernst, das Spreewald Rock Festival ist ein sehr schönes und vor allem gut organisiertes Festival, welches ich allen für die Festivalsaison 2013 nur empfehlen kann. Mal schauen, vielleicht spielen wir ja nächstes Jahr auch wieder dort. Dieses Jahr hatten wir mal wieder ordentlich Spaß mit den Krawallbrüdern und der Truppe von Rock Out aus Werneuchen. Es ist immer wieder schön, wenn man bekannte Gesichter irgendwo in der Republik auf einem Konzert oder Festival trifft, mit denen man sich gut versteht und eine gute Zeit haben kann. Ansonsten sind wir eher nicht so die Typen, die mit vielen Bands befreundeten Kontakt auf Festivals pflegen.
Uns geht oftmals das Rumgeschleime unter den Bands auf den Sack, wo vorne rum immer alle einen auf dicken Kumpel machen und sich dann hinten rum das Maul zerrissen wird. Darauf haben wir einfach keinen Bock. Ansonsten trifft man oft die ganzen Festivalhopper, die man mittlerweile über die Jahre immer wieder sieht und sich so schon teilweise echte Freundschaften gebildet haben.
Was sind, neben dem Album-Release, eure weiteren Pläne?
Dennis: Am meisten freuen wir uns auf die anstehenden Konzerte, wo wir die neuen Songs live spielen werden. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir nur eine handvoll Konzerte gespielt haben, sind wir dieses Jahr wieder etwas aktiver und mehr unterwegs. Ansonsten wollen wir in den nächsten Monaten nahtlos mit den Arbeiten am vierten Album beginnen. Irgendwie bekommen wir es immer wieder hin, 3 Jahre bis zum nächsten Release ins Land streichen zu lassen. Jetzt haben wir uns fest vorgenommen, das vierte Album schneller fertig zu stellen. Mal schauen, ob wir die guten Vorsätze einhalten können hehe. Wir haben aber schon ein paar Ideen, um die Zeit bis zur nächsten Albumveröffentlichung mit einem Projekt zu füllen. Da die Sache aber noch in der Planung steckt und noch nicht spruchreif ist, kann ich im Moment nicht mehr dazu sagen.
Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Dennis: Leute, kauft unsere Platte, damit wir uns bald einen Benz leisten können Nein im Ernst, den Unentschlossenen kann ich nur die Bandpage www.dropoutchaos.de ans Herz legen. Dort gibt es neben einer Dokumentation über die Entstehung der Platte (über den Prozess vom Songwriting bis hin zum Gang ins Studio), Hörproben und einen kompletten Freedownload. Ansonsten danken wir dem Pressure Magazine für das Interview. Machts gut und bis zum nächsten Mal!
Interview im Juni 2012 von Florian Puschke

















