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17.06.2011

Jeudah - While We Sleep


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   Leser:
3.5/6 Sterne durch 2 Lounge Nutzer
 
Label: Black Star Foundation / Cargo |  Erscheinungsdatum: 17.06.2011 |  Bestellen

 
Jeudah - While We Sleep

Der rote Samt-Vorhang schließt sich. Die Vorstellung ist zu Ende. Die Besucher suchen hektisch nach ihren Jacken, einige bleiben noch etwas sitzen und wischen sich heimlich ein paar Tränen aus dem Augenwinkel. Jeudahs neuestes Werk „While we sleep“ klingt wie der perfekte Filmsoundtrack. Zumindest für Schicksalsschlag- und Herzschmerz-Streifen. Dabei lässt bereits der Titel „While we sleep“ vor dem Hören viel Raum für Spekulationen. Haben die Songs die einschläfernde Wirkung des Sandmännchen-Staubs oder wurde die Platte gar in einem Rutsch, quasi im Schlaf aufgenommen? Beides lässt sich jedoch schnell verneinen.

 

800 Kilometer trennten beide Mitglieder voneinander. Einsam haben beide mit Mikrophonen und Verstärkern rumgespielt und viel miteinander telefoniert. Klingt ziemlich entspannt. Noch entspannter sind lediglich die Namen der beiden: Jan Järnte und Kristian Karlsson. Klingen beide ein bisschen nach skandinavischem Donald Duck oder Daniel Düsentrieb. Aber diese Entspanntheit findet sich nicht in ihrem Sound wieder. Beide scheinen sich dann doch sehr vermisst zu haben. Und dazu noch wenig Endorphine durch Sonnenstrahlen bekommen zu haben, denn beide sind aus Schweden.  Und da ist es im Winter bekanntermaßen sehr düster. Statt Entspannung übermitteln Jeudah Melancholie und Dramatik.

 

Die Schweden haben sich bei „While we sleep“ auf das Wesentliche beschränkt. Gitarren kommen nur bei zwei Songs zum Einsatz. Das Schlagzeug wurde von Thomas Hedlund, der gemeinsam mit Järnte auch Mitglied bei KHOMA ist, eingespielt. Trotz dieser Schlichtheit entwickelt die Musik einen kraftvollen Sog. Der Hörer wird in  atomsphärische und psychedelische Welten eingesaugt. Einige der Songs, wie „Things will fall apart“ oder „While we sleep“ erinnern stellenweise an Sigur Ros. Nur weniger experimentell. Bei anderen Songs wie „Black swan“ hingegen wünscht man sich auch beim Gesang einen Hauch mehr Schlichtheit und weniger bedeutungsschwangere Dramatik. Dies erinnert dann mehr an eine Mischung aus Muse und einer Kitsch-Kapelle wie The Fray. Insgesamt haben Jeudah ein sphärisches und in-sich-geschlossenes Album geschaffen, von dem Menschen, die an Depressionen leiden oder sich im Winter in Skandinavien aufhalten, jedoch lieber die Finger lassen sollten.

 

Review von Jill Wagner


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